Ernte-geDANKen
Mit der Ernte-Zeit kommt auch das Danken in den Blick. Nicht
mehr so sehr das Tun, sondern das Nachdenken über das Leben
prägt die Zeit des Herbstes.
"Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er
dir getan hat." (Psalmvers)
Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den
Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften
Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den
Wind, den Vogelflug und das Gras, und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben und den Blick auf die
Sterne, und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.
Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; Bitte
die Rechnung!Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht.
"Ich habe euch eingeladen," sagt der und lacht, so
weit die Erde reicht: "Es war mir ein Vergnügen!"
(Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. J.
Pfeiffer Verlag München, 6. Auflage 1987)
Ein kleines Wort - du kennst es kaum - hat sich versteckt
auf einem Baum. Die Menschen, groß und klein, sie fanden
dieses Wort nicht fein. Keiner wollt' es gerne sagen, drum
lief es weg, ohne zu klagen. Hier zwischen grünen Blättern,
da kann es fröhlich klettern. Die Vögel wunderten sich gar
sehr. Ein kleines Wort - wo kommt das her? Sie übten es zu
singen. Nun fing es an zu klingen. Im Garten stand ein alter
Mann. Er hörte sich die Vögel an. Ihr Zwitschern gefiel ihm
immer mehr. Da rief er laut: "Danke, danke sehr!"
Das kleine Wort, so gut versteckt, der alte Mann hat´s neu
entdeckt.
Lied zum Erntedank von Matthias Claudius:
Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dank ihm, dankt und hofft auf
ihn!